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Ratgeber Antriebstechnik

Passfeder-Maße & Tabelle: Nut, Größen & Auswahl nach DIN 6885-1

Welche Passfeder gehört zu welchem Wellendurchmesser, was bedeutet die Bezeichnung b × h × L und wie tief sind Wellen- und Nabennut? Dieser Ratgeber erklärt Breite, Höhe und Nuttiefen t1/t2, die Formen A und B, die Passungen sowie die Auswahl der richtigen Passfeder – mit übersichtlicher Maßtabelle nach DIN 6885-1.

Für formschlüssige Welle-Nabe-Verbindungen führen wir bei antriebstechnik.shop Keilwellen & Keilnaben nach DIN ISO 14 sowie Taperspannbuchsen, deren Nabennut ebenfalls nach DIN 6885-1 ausgeführt ist. Dieser Ratgeber fasst die Passfeder-Maße als Referenz zusammen.

Was ist eine Passfeder?

Eine Passfeder ist das am häufigsten eingesetzte Maschinenelement für eine formschlüssige Welle-Nabe-Verbindung. Sie liegt in einer Längsnut der Welle und ragt mit ihrer oberen Hälfte in die Nut der aufgesetzten Nabe – etwa eines Zahnrads, einer Riemenscheibe oder Kupplung. Das Drehmoment wird über die beiden Flanken der Feder übertragen, nicht über Reibung.

Die Verbindung ist rein drehmomentübertragend: Eine Passfeder sichert die Nabe gegen Verdrehen, jedoch nicht gegen axiales Verschieben. Für die axiale Lage sorgen separate Elemente wie Wellenschulter, Sicherungsring oder Wellenmutter. Maßgebend für Abmessungen und Nutgeometrie ist die Norm DIN 6885-1.

t1

Wellennut

Die tiefere Nut in der Welle nimmt den unteren Teil der Passfeder auf. Ihre Tiefe t1 wird vom Wellenmantel aus gemessen.

t2

Nabennut

Die flachere Nut in der Nabenbohrung führt den oberen Teil. Ihre Tiefe t2 wird von der Bohrungswand aus gemessen – t1 und t2 ergeben zusammen etwa die Federhöhe h plus ein geringes Spiel.

Bezeichnung & Formen nach DIN 6885-1

Maßgebend ist DIN 6885-1 (früher DIN 6885 Blatt 1) – die sogenannte hohe Form der Passfeder. Sie legt Breite, Höhe, Längen und die zugehörigen Nutmaße fest. Nach der Stirnform werden zwei Grundformen unterschieden:

Form A

Rundstirnig

Beide Stirnseiten sind abgerundet. Die Feder passt in eine gefräste Nut mit rundem Auslauf (Fingerfräser) – die gebräuchlichste Ausführung.

Form B

Geradstirnig

Beide Stirnseiten sind gerade. Die Feder passt in eine durchlaufende Nut mit geradem Grund (Scheibenfräser).

Daneben gibt es Mischformen wie Form AB (eine Seite rund, eine gerade) sowie Ausführungen mit Befestigungsbohrungen (Formen C, D, E). Die vollständige Bezeichnung folgt einem festen Schema aus Form, Querschnitt und Länge:

Passfeder A 8 × 7 × 40 DIN 6885

Form A  ·  Breite b = 8 mm  ·  Höhe h = 7 mm  ·  Länge L = 40 mm

Nicht verwechseln: DIN 6885-1 beschreibt die Passfeder (Parallelfeder mit rechteckigem Querschnitt). Die halbmondförmige Scheibenfeder (Woodruff) ist ein anderes Bauteil und in DIN 6888 genormt. Die niedrige Form der Passfeder sowie abweichende Toleranzlagen regeln DIN 6885-2 und -3.

Passfeder-Maßtabelle nach DIN 6885-1

Breite b und Höhe h einer Passfeder ergeben sich nicht frei, sondern sind dem Wellendurchmesser d fest zugeordnet. Die folgende Tabelle nach DIN 6885-1 (hohe Form) zeigt je Durchmesserbereich den Querschnitt b × h sowie die Nuttiefen t1 (Welle) und t2 (Nabe) in Millimetern.

Wellendurchmesser d (über–bis) Breite × Höhe (b × h) Wellennut t1 Nabennut t2
6 – 8 2 × 2 1,2 1,0
8 – 10 3 × 3 1,8 1,4
10 – 12 4 × 4 2,5 1,8
12 – 17 5 × 5 3,0 2,3
17 – 22 6 × 6 3,5 2,8
22 – 30 8 × 7 4,0 3,3
30 – 38 10 × 8 5,0 3,3
38 – 44 12 × 8 5,0 3,3
44 – 50 14 × 9 5,5 3,8
50 – 58 16 × 10 6,0 4,3
58 – 65 18 × 11 7,0 4,4
65 – 75 20 × 12 7,5 4,9
75 – 85 22 × 14 9,0 5,4
85 – 95 25 × 14 9,0 5,4
95 – 110 28 × 16 10,0 6,4
110 – 130 32 × 18 11,0 7,4
130 – 150 36 × 20 12,0 8,4
150 – 170 40 × 22 13,0 9,4
170 – 200 45 × 25 15,0 10,4

Bereichsgrenzen richtig lesen: „über 12 bis 17“ bedeutet, dass ein Wellendurchmesser von genau 17,0 mm noch zur Zeile 5 × 5 gehört – erst ab über 17 mm gilt 6 × 6. Gerade an den Grenzdurchmessern (12 / 17 / 22 / 30 …) wird sonst leicht eine Größe zu groß gewählt.

Richtwerte nach DIN 6885-1 (hohe Form). Fertigungsverbindliche Maße, Toleranzen und die Werte kleinerer bzw. größerer Wellendurchmesser sind dem Normvolltext bzw. Herstellertabellen zu entnehmen.

Die richtige Passfeder bestimmen

Ausgangsgröße ist immer der Wellendurchmesser – nicht die vorhandene Nutbreite. So gehen Sie vor:

  1. Wellendurchmesser d messen: Den Durchmesser der Welle im Bereich der Nabe mit dem Messschieber bestimmen.
  2. Zeile in der Tabelle wählen: Den Durchmesser dem passenden Bereich (über–bis) zuordnen und Breite b × Höhe h ablesen.
  3. Länge L festlegen: Die Länge richtet sich nach der tragenden Nabenbreite und wird der Normreihe entnommen – die Feder darf die Nabe nicht überragen.
  4. Form und Passung wählen: Form A (rund) oder B (gerade) passend zur Nutfertigung, dazu die gewünschte Passung (siehe unten).
  5. Nut gegenprüfen: Nutbreite mit dem Messschieber, Nuttiefe t1/t2 rechnerisch oder mit Tiefenmaß kontrollieren.

Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Grenzdurchmesser falsch zugeordnet: An den Bereichsgrenzen (17 / 22 / 30 mm …) eine Nummer zu groß gewählt. „bis 17“ schließt 17,0 mm ein.
  • Passfeder mit Scheibenfeder verwechselt: Die halbmondförmige Scheibenfeder (DIN 6888) hat eine andere Nut und Bezeichnung.
  • Länge größer als die Nabe: Die tragende Länge darf die Nabenbreite nicht überschreiten; zu lange Federn werden gekürzt.
  • t1 und t2 vertauscht: Die tiefere Nut (t1) gehört in die Welle, die flachere (t2) in die Nabe.

Toleranzen & Passungen der Passfedernut

Damit die Passfeder je nach Anwendung leicht montierbar bleibt oder spielfrei sitzt, ist die Nutbreite toleriert. Die Passfeder selbst wird in der Breite b mit h9 gefertigt, Höhe und Länge folgen h11 bzw. h14. Über die Nutbreiten-Toleranz von Welle und Nabe wird der Sitz eingestellt:

Sitz Wellennut Nabennut Typische Anwendung
Freier Sitz (Gleitsitz) H9 D10 axial verschiebbare Naben, Leit- bzw. Gleitfeder
Normaler Sitz N9 JS9 feste Naben, Standardfall im Maschinenbau
Fester Sitz P9 P9 stoß- und wechselbelastete Verbindungen, spielfrei

Welche Passung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Last, Drehrichtungswechsel und Montageart ab. Die Grundlagen des ISO-Toleranzsystems erklärt unser Ratgeber Passungen & ISO-Toleranzen (H7, k6 & Lagersitze).

Werkstoff & Längen

Standardwerkstoff für Passfedern ist unlegierter Vergütungsstahl C45+C (Werkstoff-Nr. 1.0503) mit blanker, kaltgezogener Oberfläche. Für korrosive Umgebungen sind Passfedern auch in nichtrostendem Stahl erhältlich.

Die Länge L folgt einer Normreihe (in mm):

6 · 8 · 10 · 12 · 14 · 16 · 18 · 20 · 22 · 25 · 28 · 32 · 36 · 40 · 45 · 50 · 56 · 63 · 70 · 80 · 90 · 100 · 110 · 125 · 140 · 160 · 180 · 200 …

Faustregel Länge: Die tragende Länge der Passfeder orientiert sich an der Nabenbreite und liegt erfahrungsgemäß bei etwa dem 1,3- bis 2,3-fachen Wellendurchmesser. Reicht eine Feder rechnerisch nicht aus, werden zwei um 180° versetzte Passfedern oder eine Keilwellen-Verbindung eingesetzt.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Passfedern

Breite und Höhe sind dem Wellendurchmesser nach DIN 6885-1 fest zugeordnet: bis 8 mm gilt 2 × 2, bis 12 mm 4 × 4, bis 17 mm 5 × 5, bis 22 mm 6 × 6, bis 30 mm 8 × 7, bis 38 mm 10 × 8, bis 44 mm 12 × 8, bis 50 mm 14 × 9. Maßgebend ist der Durchmesser der oberen Bereichsgrenze – „bis 17“ schließt 17,0 mm ein.

Die Angabe nennt Form, Querschnitt und Länge: A steht für die rundstirnige Form, 8 ist die Breite b, 7 die Höhe h und 40 die Länge L – jeweils in Millimetern. Diese Passfeder passt also auf Wellen von über 22 bis 30 mm Durchmesser.

Die Nut wird auf zwei Bauteile aufgeteilt: die tiefere Wellennut t1 und die flachere Nabennut t2. Beispiel für 8 × 7 (Welle über 22 bis 30 mm): t1 = 4,0 mm in der Welle, t2 = 3,3 mm in der Nabe. Zusammen ergeben t1 und t2 etwa die Federhöhe h zuzüglich eines geringen Spiels.

DIN 6885-1 beschreibt die Passfeder – eine gerade Parallelfeder mit rechteckigem Querschnitt. DIN 6888 normt die Scheibenfeder (Woodruff-Keil), die halbmondförmig ist und in eine runde, gefräste Nut eingesetzt wird. Beide sind formschlüssige Verbindungen, aber unterschiedliche Bauteile mit eigener Nutform.

Über die Nutbreite wird der Sitz eingestellt: freier Sitz (Wellennut H9 / Nabennut D10) für verschiebbare Naben, normaler Sitz (N9 / JS9) als Standard für feste Naben und fester Sitz (P9 / P9) für stoß- und wechselbelastete, spielfreie Verbindungen. Die Passfeder selbst hat die Breitentoleranz h9.

Eine Passfeder ist eine einzelne Feder in einer Längsnut und überträgt mittlere Drehmomente. Eine Keilwelle besitzt mehrere über den Umfang verteilte Mitnehmerprofile und überträgt größere Momente gleichmäßiger – oft bei gleichzeitiger axialer Verschiebbarkeit (Schiebesitz). Für hohe oder wechselnde Lasten ist die Keilwelle die tragfähigere Lösung.