Simmerring oder Wellendichtring? Bezeichnungen, Bauformen & DIN 3760
Ist ein Simmerring etwas anderes als ein Wellendichtring? Nein – „Simmerring“ ist ein geläufiger Markenname für den Radial-Wellendichtring. Dieser Ratgeber klärt die Begriffe und erklärt Bauformen, Werkstoffe und die Normbezeichnung nach DIN 3760.
Simmerring oder Wellendichtring – was stimmt?
Beide Begriffe meinen in der Praxis dasselbe Bauteil: einen Radial-Wellendichtring (RWDR), der eine rotierende Welle gegen das Gehäuse abdichtet. Der Begriff „Simmerring“ ist dabei keine eigene Bauart, sondern ein eingetragener Markenname, der sich im Sprachgebrauch wie ein Gattungsbegriff durchgesetzt hat – vergleichbar mit „Tempo“ für Papiertaschentücher.
Wer also einen Simmerring sucht, sucht technisch einen Wellendichtring. Die korrekte normative Bezeichnung lautet Radial-Wellendichtring nach DIN 3760. Im Maschinenbau, in Werkstattkatalogen und bei der Ersatzteilsuche werden die Begriffe Simmerring, Wellendichtring, WDR und RWDR weitgehend synonym verwendet.
Simmerring
Umgangssprachlicher Begriff aus einem eingetragenen Markennamen. Steht im allgemeinen Sprachgebrauch für den Radial-Wellendichtring – technisch identisch.
Radial-Wellendichtring
Die fachlich korrekte Bezeichnung des Bauteils nach DIN 3760 / DIN 3761. Abkürzungen: WDR oder RWDR. Dichtet eine rotierende Welle radial gegen das Gehäuse ab.
Merksatz: Simmerring ist der Name, Radial-Wellendichtring ist die Sache. Für die Auswahl und Bestellung zählen nicht der Begriff, sondern die Maße (Innen-/Außendurchmesser × Breite), die Bauform und der Werkstoff.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Radial-Wellendichtring besteht im Kern aus drei Elementen, die zusammen die radiale Abdichtung der rotierenden Welle sicherstellen:
- Versteifungsring (Metalleinlage): Ein eingebetteter Stahlring gibt dem Dichtring Formstabilität und sorgt für festen Sitz in der Gehäusebohrung.
- Elastomerkörper mit Dichtlippe: Die primäre Dichtlippe liegt mit definierter Vorspannung an der Welle an und hält das Medium (meist Öl oder Fett) zurück.
- Wurmfeder (Zugfeder): Eine ringförmige Schraubenfeder drückt die Dichtlippe gleichmäßig gegen die Welle und gleicht Verschleiß sowie Setzverhalten des Elastomers aus.
Viele Ausführungen besitzen zusätzlich eine Staublippe (Schutzlippe), die von außen eindringenden Schmutz und Staub abhält. Die Dichtwirkung beruht auf einem feinen Schmierfilm im Kontaktbereich von Dichtlippe und Welle – ein vollständig trockener Lauf führt zu erhöhtem Verschleiß.
Bauformen nach DIN 3760: A, AS und B
Die DIN 3760 ordnet Radial-Wellendichtringe nach ihrer Bauform. Die drei geläufigsten Kurzzeichen beschreiben die Außenmantel-Ausführung und das Vorhandensein einer Staublippe:
| Bauform | Außenmantel | Staublippe | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| A | Elastomer (gummiert) | ohne | Standard-Abdichtung in sauberer Umgebung |
| AS | Elastomer (gummiert) | mit | Staubige/schmutzige Umgebung, am häufigsten verbaut |
| B | Metallmantel (Außenring aus Stahl) | ohne | Fester Sitz in Leichtmetall-Gehäusen, höhere Pressungen |
Analog dazu existiert die Bauform BS (Metallmantel mit Staublippe). Die Wahl zwischen gummiertem und metallischem Außenmantel hängt von Gehäusewerkstoff, Temperatur und gefordertem Festsitz ab: Der gummierte Mantel gleicht Toleranzen und Oberflächenrauheit besser aus, der Metallmantel bietet höhere Auspresskräfte und Formstabilität.
Werkstoffe: NBR, FKM und mehr
Der Dichtwerkstoff bestimmt Temperaturbereich, Medienbeständigkeit und Lebensdauer. Die beiden mit Abstand häufigsten Elastomere für Wellendichtringe sind NBR und FKM:
| Werkstoff | Kurzzeichen | Temperaturbereich (Richtwert) | Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Nitrilkautschuk | NBR | ca. −30 °C bis +100 °C | Universalwerkstoff, gut beständig gegen Mineralöle und Fette, wirtschaftlich |
| Fluorkautschuk | FKM (FPM) | ca. −20 °C bis +200 °C | Hohe Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit, für aggressive Medien |
| Silikon | VMQ | ca. −50 °C bis +150 °C | Sehr breiter Temperaturbereich, gut bei Fetten, geringere mechanische Festigkeit |
Die angegebenen Temperaturbereiche sind werkstofftypische Richtwerte und hängen von Bauform, Medium und Hersteller ab. Maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Herstellers. Als Faustregel gilt: NBR für Standardanwendungen mit Mineralöl, FKM bei hohen Temperaturen oder chemisch aggressiven Medien.
Bezeichnung richtig lesen
Ein Wellendichtring wird über drei Hauptmaße und die Bauform eindeutig beschrieben. Die typische Schreibweise lautet:
WDR AS 35 × 52 × 7 – NBR
- AS – Bauform (hier: gummierter Außenmantel mit Staublippe)
- 35 – Wellendurchmesser / Innendurchmesser (d1) in mm
- 52 – Außendurchmesser / Bohrungsdurchmesser (D) in mm
- 7 – Breite (Bauhöhe, b) in mm
- NBR – Dichtwerkstoff
Diese drei Maße sind das Wichtigste für die Ersatzteilsuche. Wer einen vorhandenen Simmerring ersetzen will, misst Innendurchmesser, Außendurchmesser und Breite des alten Rings – oder liest die aufgeprägte Bezeichnung direkt vom Bauteil ab. Das Prinzip ähnelt dem Lesen von Kugellager-Bezeichnungen, das wir in einem eigenen Ratgeber erklären.
Abgrenzung: radial, axial und V-Ring
Der Radial-Wellendichtring (Simmerring) dichtet radial an der Welle ab. Davon zu unterscheiden sind Dichtungen, die in andere Richtungen oder nach anderem Prinzip wirken:
- Radial-Wellendichtring (Simmerring): Dichtlippe liegt radial an der rotierenden Welle an – der Standardfall zum Abdichten von Ölräumen an Getrieben, Motoren und Pumpen. Im Shop: Wellendichtringe.
- Axial-Dichtung: Dichtet in axialer Richtung gegen eine senkrecht zur Welle stehende Gegenfläche ab. Geeignet bei begrenztem radialem Bauraum. Im Shop: Axial-Dichtungen.
- V-Ring: Ein elastischer Dichtring, der auf der Welle mitrotiert und mit seiner Lippe axial gegen eine Gegenfläche abdichtet – häufig als vorgelagerter Schmutzschutz vor einem Wellendichtring. Im Shop: V-Ringe.
In der Praxis werden diese Dichtelemente oft kombiniert – etwa ein Wellendichtring für die Ölabdichtung und ein vorgelagerter V-Ring als Spritz- und Staubschutz. Einen ausführlichen Vergleich von axialer und radialer Abdichtung finden Sie in unserem Ratgeber zu Dichtungen.
Worauf beim Wechsel achten?
- Maße exakt ermitteln: Innendurchmesser, Außendurchmesser und Breite messen oder von der Prägung ablesen. Schon 1–2 mm Abweichung machen den Ring unbrauchbar.
- Bauform passend wählen: In staubiger Umgebung Bauform AS (mit Staublippe), in Leichtmetall-Gehäusen ggf. Bauform B (Metallmantel) bevorzugen.
- Werkstoff nach Medium und Temperatur: Mineralöl und Standardtemperaturen → NBR. Hohe Temperaturen oder aggressive Medien → FKM.
- Wellenlauffläche prüfen: Eine eingelaufene Riefe an der alten Dichtstelle führt zu Undichtigkeit. In solchen Fällen hilft eine Reparaturhülse, um eine neue glatte Lauffläche zu schaffen.
- Sauber und mit Fett einbauen: Dichtlippe vor dem Einbau leicht fetten und den Ring gerade, ohne Verkanten, in die Bohrung eindrücken – idealerweise mit passendem Montagewerkzeug.
Kontaktieren Sie unser Expertenteam – wir helfen Ihnen bei der Auswahl von Bauform, Maß und Werkstoff für Ihre Anwendung.
Simmerring bzw. Wellendichtring gesucht?
In unserem Shop finden Sie Radial-Wellendichtringe in den gängigen Bauformen und Werkstoffen – nach Innen-, Außendurchmesser und Breite filterbar.
Wellendichtringe ansehenFAQ – Häufige Fragen zu Simmerring & Wellendichtring
Ja. „Simmerring“ ist ein eingetragener Markenname, der sich umgangssprachlich für den Radial-Wellendichtring durchgesetzt hat. Technisch handelt es sich um dasselbe Bauteil, das eine rotierende Welle radial gegen das Gehäuse abdichtet. Die normative Bezeichnung lautet Radial-Wellendichtring nach DIN 3760.
Die Kurzzeichen beschreiben Außenmantel und Staublippe: A steht für einen gummierten Außenmantel ohne Staublippe, AS für gummiert mit Staublippe (am häufigsten verbaut) und B für einen Metallmantel ohne Staublippe. Mit Metallmantel und Staublippe wird die Bauform BS bezeichnet.
Sie benötigen drei Hauptmaße: den Innendurchmesser (Wellendurchmesser d1), den Außendurchmesser (Bohrungsdurchmesser D) und die Breite (b) – jeweils in Millimeter. Die Schreibweise lautet z. B. 35 × 52 × 7. Ergänzend geben Sie Bauform und Werkstoff an.
NBR (Nitrilkautschuk) ist der wirtschaftliche Universalwerkstoff für Mineralöle und Fette bis etwa +100 °C. FKM (Fluorkautschuk) wird bei hohen Temperaturen bis rund +200 °C oder bei chemisch aggressiven Medien eingesetzt. Im Zweifel orientieren Sie sich an Medium und Betriebstemperatur sowie an den Herstellerangaben.
Die ringförmige Wurmfeder (Zugfeder) drückt die Dichtlippe gleichmäßig gegen die Welle. Sie hält die Anpresskraft konstant und gleicht Verschleiß sowie das Setzverhalten des Elastomers über die Lebensdauer aus, sodass die Dichtwirkung erhalten bleibt.
Der Wellendichtring (Simmerring) dichtet radial an der Welle ab. Ein V-Ring rotiert mit der Welle mit und dichtet mit seiner Lippe axial gegen eine Gegenfläche – oft als vorgelagerter Staubschutz. Eine Axial-Dichtung wirkt ebenfalls in axialer Richtung gegen eine senkrecht zur Welle stehende Fläche und ist bei begrenztem radialem Bauraum sinnvoll.