Flankenoffene Keilriemen (XPZ–XPC): gezahnte Schmalkeilriemen mit mehr Leistung
Flankenoffene, formgezahnte Schmalkeilriemen übertragen auf kleinerem Bauraum mehr Leistung als klassische Riemen. Dieser Ratgeber erklärt Aufbau, Vorteile und Maße der XP-Profile – und zeigt, wo sich kleine klassische Keilriemen von Optibelt lohnen.
Was sind flankenoffene Keilriemen?
Ein flankenoffener Keilriemen ist ein Schmalkeilriemen, dem die sonst übliche Gummi- bzw. Gewebeummantelung an den Flanken fehlt. Die seitlichen Keilflanken liegen also frei (englisch „raw edge“) und greifen direkt in die Scheibenrille. Im Unterschied dazu sind ummantelte Riemen rundum von einer schützenden Decke umgeben.
In der Praxis sind diese Riemen zusätzlich formgezahnt (englisch „cogged“): An der Innenseite verlaufen quer zur Laufrichtung eingeformte Zähne. Diese Zahnung macht den Riemen biegewilliger. Dadurch sinkt die Walkarbeit beim Umlauf, und der Riemen läuft auch auf kleineren Scheibendurchmessern sauber. Die Kombination aus offenen Flanken und Querzahnung kennzeichnet die heute gebräuchlichen Hochleistungs-Profile XPZ, XPA, XPB und XPC.
Damit grenzen sich flankenoffene Riemen klar von den klassischen, vollständig unverzahnten (ummantelten) Keilriemen ab. Beide Bauarten haben ihre Berechtigung – die flankenoffene, verzahnte Ausführung ist die leistungsdichtere und energieeffizientere Variante des jeweiligen Schmalkeilriemen-Profils.
Aufbau im Detail: Decke, Zugstrang, Flanken, Cogs
Trotz des Verzichts auf die Flankenummantelung sind moderne flankenoffene Keilriemen hochwertig aufgebaut. Vier Elemente bestimmen ihre Eigenschaften:
EPDM-Compound
Premium-Linien verwenden eine hitzefeste EPDM-Decke. Der Temperaturbereich liegt je nach Linie bei etwa −40 bis +120/+130 °C – deutlich weiter als bei klassischen Riemen.
Dehnarmer Cord
In der Regel ein dehnarmer, hochmoduliger Polyester-Cord – er sorgt für weitgehend wartungsfreien Lauf. Aramid-Zugstränge bleiben Spezial- und Premium-Linien vorbehalten.
Offen & gezahnt
Die freien Flanken sorgen für direkten Reibschluss in der Rille; die quer eingeformte Zahnung (Cogs) erhöht die Biegsamkeit und verbessert die Wärmeabfuhr.
Wichtig zum Zugstrang: Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass jeder flankenoffene Riemen einen Aramid-Zugstrang hätte. Tatsächlich nutzen selbst führende Premium-Linien meist einen dehnarmen High-Modulus-Polyester-Cord. Aramid ist die Ausnahme einzelner Spezialausführungen, nicht das Standardmerkmal flankenoffener Riemen.
Vorteile flankenoffener Keilriemen
Aus dem flankenoffenen, formgezahnten Aufbau ergeben sich gegenüber klassischen ummantelten Riemen mehrere praxisrelevante Vorteile:
- Kleinere Scheibendurchmesser möglich: Durch die bessere Biegewilligkeit läuft der Riemen auf engeren Umschlingungen – der Mindest-Scheibendurchmesser ist je Profil kleiner als beim ummantelten SP-Pendant.
- Geringere Walkarbeit, weniger Wärme: Die Querzahnung reduziert die Biegeverluste; das senkt die Betriebstemperatur und schont das Material.
- Höherer Wirkungsgrad: Moderne Hochleistungs-Schmalkeilriemen erreichen einen Wirkungsgrad von ca. 97 % (Sonderausführungen bis ca. 98 %) – ein Plus bei energiekritischen Antrieben.
- Höhere Riemengeschwindigkeiten: Während ummantelte Riemen typisch bis ca. 30 m/s laufen, sind flankenoffene Linien je nach Ausführung bis ca. 50 m/s ausgelegt.
- Höhere Leistungsdichte: Auf gleichem Bauraum übertragen flankenoffene Riemen je nach Bezug bis zu ca. 20–30 % mehr Leistung als klassische, ummantelte Riemen.
- Weitgehend wartungsarm: Der dehnarme Zugstrang reduziert das Nachspannen auf ein Minimum.
Profile & Maße: XPZ, XPA, XPB, XPC
Die vier gängigen flankenoffenen Profile sind in DIN 7753 Teil 1 / ISO 4184 (Maschinenbau) genormt. Ihre Außenmaße (obere Breite b₀ × Höhe h) sind identisch zu den jeweiligen Schmalkeilriemen-Profilen SPZ–SPC. Der entscheidende Unterschied liegt im kleineren zulässigen Mindest-Scheibendurchmesser:
| Profil | Obere Breite b₀ (mm) | Höhe h (mm) | Min. dw XP (mm) | Min. dw SP (mm) |
|---|---|---|---|---|
| XPZ / SPZ | 9,7 | 8 | 56 | 63 |
| XPA / SPA | 12,7 | 10 | 71 | 90 |
| XPB / SPB | 16,3 | 13 | 112 | 140 |
| XPC / SPC | 22 | 18 | 180 | 224 |
Im Shop finden Sie die flankenoffenen Profile direkt als Kategorie: XPZ 9,7 × 8 mm, XPA 12,7 × 10 mm, XPB 16,3 × 13 mm und XPC 22 × 18 mm.
Riemen-Flankenwinkel vs. Scheiben-Rillenwinkel: Der Keilwinkel des Riemens beträgt bei der gesamten Familie 40°. Die Scheibenrille nach DIN 2211 ist dagegen durchmesserabhängig auf 34° oder 38° gefertigt – der weichere Riemen formt sich beim Einlaufen an die engere Rille an. Beide Winkel nicht verwechseln.
Hinweis: Die Werte sind belegte Richtwerte nach Norm und Herstellerangaben (z. B. Optibelt). Maßgeblich bleibt das jeweilige Herstellerdatenblatt. Hinweis: Die früher teils genannten 80 mm für XPA sind überholt – der korrekte Mindest-Scheibendurchmesser beträgt 71 mm.
XP oder SP? Wann sich flankenoffen lohnt
Ein wichtiger Punkt vorweg: Flankenoffene XP-Profile laufen ohne Scheibenwechsel auf vorhandenen Schmalkeilriemen-Scheiben. Da die Außenkontur identisch zum SP-Profil ist, nutzen XP und SP dieselbe Rille nach DIN 2211 / ISO 4183. Ein XPA ersetzt also ein SPA auf derselben Keilriemenscheibe – der kleinere Mindest-Scheibendurchmesser ist lediglich eine zusätzliche Möglichkeit, kein Zwang.
Die folgende Logik hilft bei der Entscheidung zwischen ummantelt (SP) und flankenoffen (XP):
- Bauraum knapp / kleiner Scheiben-Ø: Wo der Antrieb kompakt bauen muss oder kleine Scheiben gefordert sind, spielt XP seine bessere Biegewilligkeit aus.
- Hohe Drehzahlen / Umlauf-Frequenzen: Bei hohen Riemengeschwindigkeiten reduziert die geringere Walkarbeit die Wärmeentwicklung.
- Energiekosten im Fokus: Der höhere Wirkungsgrad zahlt sich bei dauerlaufenden Antrieben aus.
- Reiner Ersatz auf vorhandener Scheibe: Wenn ein bestehender Schmalkeilriemen-Antrieb gut läuft, ist der ummantelte SP-Riemen oft die wirtschaftliche Wahl – ein Upgrade auf XP ist jederzeit ohne Scheibenwechsel möglich.
Die gesamte Familie der Schmalkeilriemen – ummantelt wie flankenoffen – halten wir in gängigen Profilen und Längen bevorratet.
Kleine klassische Keilriemen von Optibelt
Nicht jeder Antrieb braucht ein Hochleistungsprofil. Gerade bei kleinen Leistungen sind die klassischen Keilriemen nach DIN 2215 / ISO 4184 nach wie vor die robuste, kostengünstige Standardlösung. Die kleinen Profile reichen vom Profil 5 (5 × 3 mm) über das Profil 6 / Y (6 × 4 mm), Profil 8 (8 × 5 mm) und Profil 10 / Z (10 × 6 mm) bis zum Profil 13 / A (13 × 8 mm).
| Profil | Obere Breite b₀ (mm) | Höhe h (mm) | Norm |
|---|---|---|---|
| Profil 5 | 5 | 3 | DIN 2215 / ISO 4184 |
| Profil 6 / Y | 6 | 4 | DIN 2215 / ISO 4184 |
| Profil 8 | 8 | 5 | DIN 2215 / ISO 4184 |
| Profil 10 / Z | 10 | 6 | DIN 2215 / ISO 4184 |
| Profil 13 / A | 13 | 8 | DIN 2215 / ISO 4184 |
Alle fünf Profile sind nach DIN 2215 / ISO 4184 genormte Kleinprofile – die Profilbezeichnung gibt jeweils die obere Breite in Millimetern an. Echte metrische Sondergrößen außerhalb der Buchstabenreihe sind dagegen nur die größeren Profile 20 und 25, die hier keine Rolle spielen.
Optibelt: deutsche Fertigung mit langer Tradition
Für klassische Keilriemen empfehlen wir die Riemen von Optibelt. Das Unternehmen wurde 1872 von Emil Arntz in Höxter gegründet und fertigt bis heute mit Hauptsitz in Höxter (Nordrhein-Westfalen) – Keilriemen werden dort seit 1948 produziert. Die klassischen ummantelten Riemen führt Optibelt unter der Linie optibelt VB (Classic V-belts, DIN 2215). Damit verbinden sich die kleinen Profile mit einem etablierten Markenhersteller und Fertigung in Deutschland.
Typische Einsatzgebiete kleiner Profile
Kleine klassische Keilriemen finden sich überall dort, wo eher geringe Leistungen kompakt übertragen werden. Typische Einsatzfelder sind:
- Haushaltsgeräte – etwa der Trommel- oder Pumpenantrieb in Waschmaschinen und Trocknern.
- Garten- und Gartengeräte – Rasenmäher, Rasentraktoren und Schneefräsen.
- Kleine Lüfter und Pumpen – in Lüftungsanlagen und Nebenaggregaten.
- Elektrowerkzeuge und Heimwerkermaschinen.
- Kleine Maschinen aus Holzbearbeitung und Werkstatt.
Klassische Keilriemen und flankenoffene Schmalkeilriemen gehören zu verschiedenen Profil-Familien und sind nicht gegeneinander austauschbar: Klassische Profile sind im Verhältnis breiter und flacher und benötigen anders geformte Rillen. Sie ergänzen einander – klassische Riemen für robuste, kleine Standardantriebe, flankenoffene XP-Riemen für leistungsdichte, energieeffiziente Anwendungen. Unsere klassischen Keilriemen finden Sie nach Profil sortiert, darunter Profil 5, Profil 6 / Y, Profil 8, Profil 10 / Z und Profil 13 / A.
Auswahlhilfe: So finden Sie den richtigen Riemen
Ob flankenoffener XP-Riemen oder kleiner klassischer Keilriemen – mit diesem Vorgehen bestimmen Sie den passenden Ersatz zuverlässig:
- Aufdruck ablesen: Auf dem Rücken vieler Riemen steht die Bezeichnung (z. B. „XPB 1700“ oder „A 1250“). Das ist die zuverlässigste Quelle.
- Profil messen: Ohne Aufdruck messen Sie obere Breite und Höhe des Querschnitts und gleichen sie mit den Maßtabellen ab. Eine gezahnte Unterseite weist auf die flankenoffene XP-Variante hin.
- Scheibe prüfen: Stellen Sie sicher, dass Riemen- und Scheibenprofil zusammenpassen. XP und SP teilen sich die Rille; klassische und Schmalkeil-Profile sind nicht untereinander austauschbar.
- Länge ermitteln: Bestimmen Sie die Richtlänge (Wirklänge Lw) – aus dem Aufdruck oder per Umfangsmessung. Achten Sie bei Altbeständen auf die gleiche Längenbezugsgröße (Lw bzw. La).
- Satz statt Einzelriemen: Bei Mehrriemenantrieben immer den kompletten Satz tauschen – ein gemischter Antrieb aus altem und neuem Riemen führt zu ungleicher Lastverteilung.
Einen kompakten Gesamtüberblick über alle Profilfamilien und Maße bietet unser Ratgeber Keilriemen-Profile & Maße. Sie sind unsicher? Kontaktieren Sie unser Expertenteam – wir unterstützen Sie bei der Identifikation von Profil und Riemenlänge.
Flankenoffene oder klassische Keilriemen gesucht?
In unserem Shop finden Sie flankenoffene Schmalkeilriemen (XPZ–XPC), klassische Keilriemen und passende Keilriemenscheiben in gängigen Profilen und Längen – ab Lager lieferbar.
Alle Keilriemen anzeigenFAQ – Häufig gestellte Fragen zu flankenoffenen Keilriemen
Ein flankenoffener Keilriemen ist ein Schmalkeilriemen, dem die Ummantelung an den Flanken fehlt – die Keilflanken liegen frei („raw edge“). In der Praxis ist die Innenseite zusätzlich quer formgezahnt („cogged“), was den Riemen biegewilliger macht. Das kennzeichnet die Profile XPZ, XPA, XPB und XPC.
XPA und SPA haben dieselbe Querschnittskontur (12,7 × 10 mm) und laufen auf derselben Scheibenrille. Der Unterschied: SPA ist ummantelt, XPA ist flankenoffen und quer gezahnt. Dadurch ist XPA biegewilliger, läuft auf kleineren Scheiben (Mindestdurchmesser 71 statt 90 mm) und erzeugt weniger Walkwärme.
Ja. Da die Außenkontur der XP-Profile identisch zu den SP-Profilen ist, laufen sie ohne Scheibenwechsel auf vorhandenen Schmalkeilriemen-Scheiben nach DIN 2211 / ISO 4183. Ein XPA ersetzt also ein SPA auf derselben Scheibe; der kleinere zulässige Mindestdurchmesser ist eine zusätzliche Möglichkeit.
Sie erlauben kleinere Scheibendurchmesser, erzeugen durch geringere Walkarbeit weniger Wärme, erreichen einen Wirkungsgrad von ca. 97 % und sind für höhere Riemengeschwindigkeiten (bis ca. 50 m/s je nach Linie) ausgelegt. Auf gleichem Bauraum übertragen sie bis zu ca. 20–30 % mehr Leistung als klassische ummantelte Riemen.
Nein. Das ist ein verbreiteter Irrtum. Selbst führende Premium-Linien verwenden in der Regel einen dehnarmen, hochmoduligen Polyester-Cord als Zugstrang – gerade dadurch laufen sie weitgehend wartungsfrei. Ein Aramid-Zugstrang bleibt einzelnen Spezialausführungen vorbehalten und ist nicht das Standardmerkmal flankenoffener Riemen.
Kleine klassische Keilriemen sind die nach DIN 2215 / ISO 4184 genormten Kleinprofile Profil 5 (5 × 3 mm), 6/Y (6 × 4 mm), 8 (8 × 5 mm), 10/Z (10 × 6 mm) und 13/A (13 × 8 mm). Sie kommen typisch in Haushaltsgeräten, Garten- und Gartengeräten, kleinen Lüftern und Pumpen, Elektrowerkzeugen und kleinen Maschinen zum Einsatz. Ein bewährter Markenhersteller ist Optibelt aus Höxter.
Nein. Klassische Profile (Z, A, B, C) und Schmalkeil-Profile (SP/XP) gehören zu verschiedenen Familien mit unterschiedlicher Rillenform und sind riemenseitig nicht austauschbar. Ein flankenoffener XP-Riemen ersetzt das jeweilige ummantelte SP-Profil auf derselben Scheibe – nicht aber ein klassisches Profil.